Worauf sollte ich bei der Auswahl von Family-Office-Dienstleistern achten?

Die Auswahl eines geeigneten Family-Office-Dienstleisters ist eine strategische Entscheidung mit langfristigen Auswirkungen auf Vermögen, Familie und unternehmerische Handlungsfähigkeit. Anders als bei standardisierten Finanzdienstleistungen geht es nicht nur um einzelne Produkte oder Renditen, sondern um Vertrauen, Struktur, Governance und die Fähigkeit, komplexe Vermögens- und Familienverhältnisse über Generationen hinweg zu begleiten. Die folgenden Aspekte geben einen systematischen Überblick über die zentralen Kriterien und Fragestellungen, die bei der Auswahl von Family-Office-Dienstleistern zu berücksichtigen sind.

Einfluss von Vermögensgröße und Vermögensherkunft

Ein zentraler Ausgangspunkt ist die Frage, wer der Vermögensinhaber ist und woher das Vermögen stammt. Private Clients unterscheiden sich erheblich nach Vermögensgröße (Affluent, HNWI, UHNWI, Centimillionaire, Milliardär) und nach Komplexität der Strukturen. Mit zunehmendem Vermögen steigen typischerweise die Anforderungen an Individualisierung, Governance, internationale Strukturierung und Diskretion.

Auch die Vermögensherkunft spielt eine wesentliche Rolle. Unternehmervermögen, Finanzvermögen, Immobilienvermögen oder liquide Erlöse aus einem Exit bringen jeweils unterschiedliche Anforderungen mit sich. Stiftungen – ob gemeinnützig oder familiär – unterliegen zusätzlich besonderen rechtlichen, steuerlichen und governancebezogenen Rahmenbedingungen. Ein geeigneter Dienstleister sollte nachweisliche Erfahrung mit vergleichbaren Vermögenskonstellationen besitzen.

Eigenschaften von Family-Office-Dienstleistern

Family-Office-Dienstleister unterscheiden sich stark in ihrer Ausgestaltung. Wichtige strukturelle Merkmale sind zunächst Standort und Rechtsform. Ebenso relevant ist der Regulierungsstatus: Einige Multi Family Offices sind reguliert, andere bewusst nicht – beides kann Vor- und Nachteile haben, abhängig vom Leistungsumfang.

Die Erfahrung des Teams, insbesondere in vergleichbaren Mandaten, ist ein zentrales Qualitätsmerkmal. Ebenso gewinnt die Digitalisierung an Bedeutung: Moderne Reporting-, Controlling- und Dokumentationssysteme sind Voraussetzung für Transparenz und effiziente Steuerung komplexer Vermögensstrukturen.

Ein weiterer Aspekt ist das Geschäftsvolumen des Dienstleisters. Kennzahlen wie Assets under Management (AuM), Assets under Advisory, Assets under Custody oder Assets under Reporting geben Hinweise auf Größe, Fokus und operative Leistungsfähigkeit. Dabei ist nicht „größer“ per se besser – entscheidend ist die Passung zur eigenen Vermögensgröße.

Nicht zuletzt sind Compliance, der Umgang mit Interessenkonflikten, der Grad an Unabhängigkeit, die gelebten Werte sowie das Gebührenmodell kritisch zu prüfen. Transparente Honorare und eine klare Trennung zwischen Beratung und Produktinteressen sind zentrale Qualitätsindikatoren. Auszeichnungen, Siegel und Zertifikate können zusätzliche Hinweise liefern, ersetzen aber keine eigene Prüfung.

Auswahlverfahren und Entscheidungsprozesse

Die Auswahl eines Family-Office-Dienstleisters sollte strukturiert erfolgen. Zunächst ist zu klären, wer auf Seiten der Familie die Entscheidung trifft – häufig sind mehrere Familienmitglieder oder Gremien eingebunden. Ein systematischer Marktüberblick ist essenziell, da der Markt fragmentiert und intransparent ist.

Hilfreich sind Checklisten und Scoring-Modelle, um Anbieter vergleichbar zu machen. In komplexeren Fällen kommen formalisierte Verfahren wie Request for Proposal (RFP) oder Beauty Contests zum Einsatz, gefolgt von persönlichen Pitches. Gerade bei größeren Vermögen kann auch externe Unterstützung durch spezialisierte Berater sinnvoll sein, um den Auswahlprozess zu strukturieren und zu objektivieren.

Auswahl eines Multi Family Offices

Ein zentraler Entscheidungspunkt ist die Frage, ob ein Single Family Office oder ein Multi Family Office geeigneter ist. Während Single Family Offices maximale Individualität bieten, sind Multi Family Offices häufig effizienter und schneller umsetzbar.

Innerhalb der Multi Family Offices ist weiter zu differenzieren: ganzheitlich versus investmentorientiert, physisch versus virtuell, unabhängig versus banknah. Auch der Digitalisierungsgrad, die regulatorische Einbindung und die Gebührenmodelle unterscheiden sich teils erheblich. Ein passender Anbieter sollte zur Vermögensgröße, zur gewünschten Einbindung der Familie und zur langfristigen Zielsetzung passen.

Auswahl eines Vermögensverwalters

Nicht jeder Family-Office-Dienstleister erbringt selbst Vermögensverwaltung. Wo dies der Fall ist – oder externe Vermögensverwalter ausgewählt werden – spielen persönliche Erfahrung, Risikoneigung und der Investmentansatz eine zentrale Rolle. Zu prüfen sind individuelle versus standardisierte Ansätze, der Grad an Unabhängigkeit, die Zielkundendefinition sowie der Track Record.

Regulierung und Gebührenmodelle sind auch hier kritisch zu hinterfragen. Entscheidend ist, ob der Vermögensverwalter in der Lage ist, die Vermögensstrategie der Familie konsistent umzusetzen und transparent zu berichten.

Auswahl einer Private-Client-Kanzlei

Rechtliche Beratung ist ein zentraler Baustein der Vermögensstrukturierung. Bei der Auswahl einer Kanzlei sind Spezialisierung, internationale Vernetzung und das Verhältnis von Gestaltungsberatung zu reiner Compliance zu berücksichtigen. Auch hier spielen Zielkundenfokus und Gebührenmodelle eine wichtige Rolle.

 

Hinweis: Das Wiki befindet sich im Aufbau. Demnächst finden Sie hier vertiefende Wiki-Einträge zur Auswahl von Family-Office-Dienstleistern.

Stand: 16.12.2025 · Autor: Redaktion FamilyOffice.de · fachlich geprüft von: Franziska Strauch

  • Was ist ein Family Office?

    Dieser Abschnitt des Wikis führt in das Thema Family Office ein. Was genau ist ein Family Office? Wie grenzt sich das Dienstleistungsangebot eines Family Offices von verwandten Angeboten wie Private Banking und Wealth Management ab? Welche Vorteile bieten Family Offices und wie lassen sie sich einteilen?

  • Abgrenzung Family Office

    Die Abgrenzung zwischen Family Office, Private Wealth Management und Private Banking liegt vor allem im Grad der Unabhängigkeit, der Tiefe der Dienstleistungen und der Struktur der Vermögensverwaltung.

  • Einteilung

    Family Offices lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen, abhängig von Struktur, Mandantenkreis, Leistungsumfang und organisatorischer Ausgestaltung. Die wichtigsten Einteilungskriterien sind:

  • Einzelanbieter

    Anbieter einzelner Family Office Dienstleistungen sind spezialisierte Dienstleister, die gezielt Teilbereiche wie Vermögenscontrolling, Reporting, steuerliche Strukturierung, Nachfolgeplanung, Immobilienmanagement oder Philanthropieberatung übernehmen – ohne ein vollständiges Family Office bereitzustellen. Dazu zählen u.a. Vermögensverwalter, Steuerkanzleien, Rechtsanwälte, Private Equity Boutiquen oder Governance Berater.

  • VFO

    Ein virtuelles Family Office (VFO) ist eine flexible Organisationsform, bei der die Funktionen eines Family Offices nicht in einer eigenen Einheit gebündelt, sondern über ein Netzwerk externer Spezialisten, Berater und Anbieter einzelner Family-Office-Dienstleistungen koordiniert werden. Statt eigener Mitarbeiter oder Infrastruktur greift die Inhaberfamilie auf ausgewählte Experten zu – etwa Vermögensverwalter, Steuerberater, Rechtsanwälte, Controller oder Nachfolgeexperten –, die über digitale Prozesse zentral gesteuert werden. Diese Form des Family Offices ermöglicht eine moderne und schlanke Struktur, die von der zunehmenden Digitalisierung profitiert.

  • Verhältnis Vermögensinhaber/FO

    Das Verhältnis von Vermögensinhaber und Family Office ist geprägt von Vertrauen, Verantwortung und klarer Rollenverteilung. Der Vermögensinhaber bleibt stets der wirtschaftlich Berechtigte und strategische Entscheider, während das Family Office als verlängerter Arm und professioneller Dienstleister agiert.

  • FO-Dienstleistungen

    Family-Office-Dienstleister erbringen ein breites Spektrum an Leistungen, die sich an den individuellen Bedürfnissen vermögender Familien orientieren. Der Umfang reicht von klar abgegrenzten Einzelleistungen bis hin zur umfassenden, ganzheitlichen Betreuung komplexer Vermögens- und Familienstrukturen. Ziel ist es, Vermögensinhaber organisatorisch, strategisch und operativ zu entlasten und gleichzeitig Transparenz, Kontrolle und langfristige Handlungsfähigkeit sicherzustellen.