Was ist ein Family Office?
Dieser Abschnitt des Wikis führt in das Thema Family Office ein. Was genau ist ein Family Office? Wie grenzt sich das Dienstleistungsangebot eines Family Offices von verwandten Angeboten wie Private Banking und Wealth Management ab? Welche Vorteile bieten Family Offices und wie lassen sie sich einteilen?
Darüber hinaus behandelt dieser Abschnitt die handelnden Personen und Beziehungen im Family-Office-Umfeld. Dazu zählen insbesondere die Rolle des Family Officers sowie das Verhältnis zwischen Vermögensinhaber und Family Office. Themen wie der Übergang vom Unternehmer zum Investor, die Einbindung der Familie in Investmententscheidungen, die Perspektive der NextGen sowie typische Interessenkonflikte und Konfliktmanagement werden systematisch aufgegriffen.
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Begriff Family Office
Der Begriff "Family Office" ist gesetzlich nicht definiert und wird in der Praxis nicht einheitlich verwendet. Er beschreibt eine spezialisierte Organisationseinheit, die umfassend und individuell das Vermögen einer oder mehrerer vermögender Familien betreut. Ziel ist nicht nur die Verwaltung, sondern die ganzheitliche Steuerung, Strukturierung und langfristige Sicherung des Familienvermögens – oft über mehrere Generationen hinweg.
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Abgrenzung Family Office
Die Abgrenzung zwischen Family Office, Private Wealth Management und Private Banking liegt vor allem im Grad der Unabhängigkeit, der Tiefe der Dienstleistungen und der Struktur der Vermögensverwaltung.
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Geschichte
Die Geschichte des Family Offices reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Frühe Vorreiter wie das Rockefeller Family Office setzten Maßstäbe für die strukturierte Verwaltung großer Familienvermögen.
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Vorteile
Vorteile eines Family Offices liegen in der ganzheitlichen, unabhängigen und langfristig ausgerichteten Betreuung großer Privatvermögen. Im Zentrum steht die individuelle Ausrichtung an den Zielen, Werten und Strukturen der Familie. Ein wesentlicher Vorteil ist die Koordination und Bündelung aller vermögensbezogenen Themen – von der Kapitalanlage über steuerliche und rechtliche Fragestellungen bis zur Nachfolgeplanung. Das Family Office agiert dabei als zentrale Steuerungsinstanz, schafft Übersicht, reduziert Komplexität und sorgt für Effizienz.
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Einteilung
Family Offices lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen, abhängig von Struktur, Mandantenkreis, Leistungsumfang und organisatorischer Ausgestaltung. Die wichtigsten Einteilungskriterien sind:
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SFO
Ein Single Family Office (SFO) ist eine ausschließlich für eine einzelne vermögende Familie gegründete Organisationseinheit, die deren gesamtes Familienvermögen und relevante nicht-finanzielle Belange ganzheitlich betreut. Ziel ist es, das Vermögen über Generationen hinweg zu sichern, zu strukturieren und strategisch weiterzuentwickeln – unabhängig von externen Interessen oder Produktanbietern./wiki/Family-Office-Dienstleistungen/vermoegensstrukturierung/holdinggesellschaften
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MFO
Ein Multi Family Office (MFO) ist ein professioneller Dienstleister, der mehrere vermögende Familien gleichzeitig betreut – meist unabhängig voneinander, aber auf Basis gemeinsamer Infrastruktur. Ziel ist es, den Familien Zugang zu ganzheitlicher Vermögensanlage, Strukturierungsberatung und strategischer Begleitung zu ermöglichen, ohne dass jede Familie ein eigenes Family Office gründen muss.
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Einzelanbieter
Anbieter einzelner Family Office Dienstleistungen sind spezialisierte Dienstleister, die gezielt Teilbereiche wie Vermögenscontrolling, Reporting, steuerliche Strukturierung, Nachfolgeplanung, Immobilienmanagement oder Philanthropieberatung übernehmen – ohne ein vollständiges Family Office bereitzustellen. Dazu zählen u.a. Vermögensverwalter, Steuerkanzleien, Rechtsanwälte, Private Equity Boutiquen oder Governance Berater.
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VFO
Ein virtuelles Family Office (VFO) ist eine flexible Organisationsform, bei der die Funktionen eines Family Offices nicht in einer eigenen Einheit gebündelt, sondern über ein Netzwerk externer Spezialisten, Berater und Anbieter einzelner Family-Office-Dienstleistungen koordiniert werden. Statt eigener Mitarbeiter oder Infrastruktur greift die Inhaberfamilie auf ausgewählte Experten zu – etwa Vermögensverwalter, Steuerberater, Rechtsanwälte, Controller oder Nachfolgeexperten –, die über digitale Prozesse zentral gesteuert werden. Diese Form des Family Offices ermöglicht eine moderne und schlanke Struktur, die von der zunehmenden Digitalisierung profitiert.
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Der Family Officer
Ein Family Officer ist die zentrale verantwortliche Person innerhalb eines Single oder Multi Family Offices, die als strategischer und operativer Ansprechpartner der vermögenden Familie bzw. des Vermögensinhabers agiert. Seine Hauptaufgabe besteht darin, das Gesamtvermögen der Familie ganzheitlich zu betreuen, die Verwaltung aller Vermögenswerte zu koordinieren und im Sinne der langfristigen Ziele, der Familienstrategie und der Governance-Strukturen zu steuern. Der Family Officer übernimmt dabei wesentliche Management- und Steuerungsfunktionen und fungiert als Schnittstelle zwischen Familie, internen Mitarbeitern und externen Dienstleistern wie Vermögensverwaltern, Banken, Steuerberatern oder Rechtsanwälten.
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Verhältnis Vermögensinhaber/FO
Das Verhältnis von Vermögensinhaber und Family Office ist geprägt von Vertrauen, Verantwortung und klarer Rollenverteilung. Der Vermögensinhaber bleibt stets der wirtschaftlich Berechtigte und strategische Entscheider, während das Family Office als verlängerter Arm und professioneller Dienstleister agiert.
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Familienunternehmen & Family Office
Das Verhältnis vom Familienunternehmen zum Family Office ist geprägt von einer engen, aber funktional getrennten Verbindung. Beide Einheiten müssen aufeinander abgestimmt sein.
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Vom Unternehmer zum Investor
Der Übergang vom Unternehmer zum Investor markiert einen tiefgreifenden Rollenwandel: Statt unternehmerischer Führung steht künftig die strategische Verwaltung des Familienvermögens im Vordergrund. Diese Transformation tritt häufig nach einem Unternehmensverkauf oder einem Generationenwechsel ein.
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Beteiligung an Investment Entscheidungen
Die Beteiligung des Vermögensinhabers an Investment-Entscheidungen ist ein zentraler Aspekt der Vermögenssteuerung. Je nach Persönlichkeit, Erfahrung und familiärer Governance variiert der Grad der Einbindung stark: von der aktiven Steuerung einzelner Investments bis hin zur delegierten Verantwortung an ein Investmentkomitee oder das Family Office.
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Das Family Office aus Sicht der NextGen
Für die nachfolgende Generation (NextGen) ist das Family Office ein zentraler Ansprechpartner, Bildungsraum und strategischer Begleiter auf dem Weg zur Übernahme von Verantwortung innerhalb der Familie. Die Wahrnehmung und Einbindung der NextGen ist entscheidend für die langfristige Stabilität und Generationenfähigkeit der Vermögensstruktur.
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Principle Agent Problem
Das Principle Agent Problem beschreibt den strukturellen Interessenkonflikt, der entsteht, wenn ein Vermögensinhaber (Prinzipal) die Verwaltung seines Vermögens ganz oder teilweise an einen Beauftragten (Agent) – etwa ein Family Office, einen Vermögensverwalter oder Berater – delegiert. Obwohl der Agent im Interesse des Prinzipals handeln soll, besteht die Gefahr, dass er eigene Interessen verfolgt – etwa durch intransparente Gebühren, verdeckte Produktprovisionen oder risikobehaftete Entscheidungen zur Leistungsoptimierung.
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Konfliktmanagement
Konfliktmanagement zwischen Vermögensinhaber und Family Office ist essenziell für eine nachhaltige, vertrauensvolle und professionelle Zusammenarbeit. Konflikte können durch unterschiedliche Erwartungshaltungen, mangelnde Kommunikation, unklare Rollenverteilung oder fehlende Transparenz – insbesondere bei komplexen Vermögensstrukturen, Generationenwechseln oder sensiblen Entscheidungen entstehen.